To-go-Becher

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Die europäische Politik im Bereich Kunststoffabfälle hat die Verantwortung zunehmend von den Herstellern auf den Einzelnen verlagert und Umweltmaßnahmen eher als eine Frage der persönlichen Entscheidung denn als systemische Regulierung dargestellt. In jeder Phase des Produktlebenszyklus – vom Design über den Konsum bis hin zur Entsorgung – werden die Bürger dazu angehalten, „besser einzukaufen“ und „richtig zu trennen“, während die allgemeinen Praktiken der Industrie weitgehend unverändert bleiben. Diese Individualisierung der Verantwortung zeigt sich besonders deutlich in der Fokussierung auf Verpackungen im Haushalt und Einwegartikel, die zwar bedeutend sind, aber nur einen Teil des Plastikproblems ausmachen. Mikroplastik in Kosmetika, Kunststoffe in Elektronikgeräten und langlebige Güter mit programmierter Obsoleszenz finden in der Regulierung weitaus weniger Beachtung. Die Betonung des Recyclings, das seit Mitte des 20. Jahrhunderts von der Industrie stark gefördert wird, um strengere Produktionsbeschränkungen zu vermeiden, verstärkt die Vorstellung, dass Abfall ein Verbraucherproblem ist. Doch aufgrund technischer Einschränkungen wird ein Großteil dessen, was zum Recycling gesammelt wird, letztendlich verbrannt, deponiert oder exportiert. Indem sich der öffentliche Diskurs auf Maßnahmen auf der Mikroebene konzentriert – wie die Verwendung wiederverwendbarer Flaschen oder die Mülltrennung –, lenkt er die Aufmerksamkeit von den Entscheidungen auf der Makroebene ab, die von Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern getroffen werden. Dies führt zu einem Paradoxon: Von Einzelpersonen wird erwartet, dass sie eine systemische Krise durch ihre Konsumentscheidungen lösen, während das Wirtschaftsmodell, das die Überproduktion antreibt, unangefochten bleibt.

Quelle: https://www.cife.eu/Ressources/FCK/image/Theses/2019/VIAUD_Philippine.pdf

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