Seit 1907 ist Kunststoff allgegenwärtig geworden; Prognosen zufolge wird sich die Produktion bis 2050 verdreifachen und möglicherweise das Fischgewicht übersteigen. Allein die europäische Produktion erreichte 2016 60 Millionen Tonnen pro Jahr. Mikroplastik verändert bereits das Verhalten des Zooplanktons und bedroht damit das marine Nahrungsnetz. Recycling ist zwar notwendig, kann die Verschmutzung jedoch nicht an der Quelle stoppen; es bedarf wirksamer Vorschriften, um die Produktion zu begrenzen. Strenge Gesetzgebung wird jedoch innerhalb der Europäischen Union oft durch Unternehmenslobbyismus vereitelt. Eine Analyse der jüngsten UN-Vertragsverhandlungen zeigt, dass Lobbyisten aus der fossilen Brennstoff- und der petrochemischen Industrie oft zahlreicher sind als die nationalen Delegationen und Wissenschaftler zusammen. Ein Bericht von InfluenceMap dokumentiert, wie diese Gruppen große Summen und Anstrengungen aufwenden, um strenge Begrenzungen der Kunststoffproduktion zu verhindern, und stattdessen auf freiwillige Recyclingziele drängen. Tatsächlich besteht ein erhebliches Ungleichgewicht bei den Ressourcen: Einige Industrieverbände verfügen über bis zu zehnmal so viel Budget und Personal wie Umwelt-NGOs. Diese Akteure wenden spezifische Strategien an, um Regulierungsmaßnahmen zu verwässern: Sie finanzieren „Scheingruppen“, um den Fokus von Produktionsbeschränkungen auf individuelle Verantwortung und Recycling zu verlagern. Diese Einflussnahmen verzögern die systemischen Veränderungen, die erforderlich sind, um zu verhindern, dass die Plastikverschmutzung bis Mitte des Jahrhunderts das Leben im Meer übertrifft.
Quelle:
- https://influencemap.org/briefing/Corporate-Advocacy-on-the-UN-Global-Plastics-Treaty-2025-Update-33706
- https://www.cife.eu/Ressources/FCK/image/Theses/2019/VIAUD_Philippine.pdf
- https://www.ciel.org/reports/preparatory-materials-for-the-plastics-treaty-inc-3-august-2023/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26066061/
- https://www3.weforum.org/docs/WEF_The_New_Plastics_Economy.pdf