Die globale Tabakindustrie verdeutlicht eine erhebliche Verlagerung der Produktion von den Vereinigten Staaten, der Europäischen Union und Japan hin zu Ländern wie Brasilien, Indien, China und Malawi, während die Gewinne weiterhin an die Unternehmenszentralen in den USA und Großbritannien zurückfließen. Dieses System stützt sich auf eine schutzbedürftige Arbeiterschaft, zu der historisch gesehen im 18. Jahrhundert versklavte afrikanische Frauen gehörten und die heute aus Familienbetrieben, lateinamerikanischen Migranten und Kindern besteht, die oft ohne Schutzausrüstung arbeiten. Diese Arbeiter sind schweren Gesundheitsrisiken ausgesetzt, darunter der „Green Tobacco Sickness“ durch direkte Nikotinaufnahme und chronische Vergiftungen durch den massiven Einsatz von Pestiziden, die zudem den lokalen Boden und die Wasserquellen verschmutzen. Letztendlich funktioniert der Markt als Oligopol, in dem einige wenige mächtige Unternehmen die Produktionsstandards und die Preisgestaltung kontrollieren und Kleinbauern in einem Kreislauf aus wirtschaftlicher Abhängigkeit und gefährlichen Arbeitsbedingungen gefangen halten.
Quelle:https://shs.cairn.info/article/TEXTU_MILLE_2022_01_0035